Tübinger Poetik-Dozentur

Jenny Erpenbeck bei der 38. Tübinger Poetik-Dozentur an der Universität Tübingen

Die Tübinger Poetik-Dozentur wird seit 1996 am Deutschen Seminar der Universität Tübingen ausgerichtet: Als Forum, das eine (inter-)kulturelle Begegnung von Studenten, Dozenten und einer interessierten Öffentlichkeit ermöglichen soll. Einmal im Jahr werden dazu zwei Autoren oder Autorinnen aus dem In- und Ausland eingeladen, die Vorlesungen sowie Workshops und Seminare für die Studierende der Universität anbieten. Damit wird die Möglichkeit geboten, mit den Autoren- und Autorinnenpersönlichkeiten ins Gespräch zu kommen und den in Deutschland oft vermissten intellektuellen Diskurs zu verestärken, der Literatur, Wissenschaft und Öffentlichkeit verknüpft. Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein Projekt der Stiftung Würth und wird von der Adolf Würth GmbH & Co. KG gefördert.

In den letzten Jahren waren u.a. Eva Menasse, Thomas Hettche, Karl Ove Knausgård, Judith Schalansky, Siri Hustvedt, Clemens Setz, Hans Magnus Enzensberger, Christoph Ransmayr, Jonathan Franzen, Daniel Kehlmann, Juli Zeh, Feridun Zaimoğlu, Ilija Trojanow, Péter Esterházy, Terézia Mora, Lars Gustafsson, Ruth Klüger, Susan Sontag, Amos Oz, Herta Müller und Günter Grass zu Gast.

In unserem Kurzfilm zur Tübinger Poetik-Dozentur erhalten Sie einen Einblick in die Veranstaltung vom Auftakt in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall bis zu den Vorlesungen an der Tübinger Universität. Hören Sie zudem was unser Vorstandsvorsitzender Johannes Schmalzl, der Autor der 36. Tübinger Poetik-Dozentur Christian Baron und das Publikum zur Veranstaltung zu sagen haben.

Rückblick auf die 38. Tübinger Poetik-Dozentur

Die 38. Tübinger Poetik-Dozentur bot spannende Vorträge und Gespräche mit namhaften Persönlichkeiten. Die Alte Aula der Universität Tübingen platzte vor literarischer Leidenschaft: Bestsellerautorin Jenny Erpenbeck las vor einem bis auf den letzten (Steh-)Platz besetzten Saal. Zu Gast waren auch der Schriftsteller Peter Wawerzinek, Ute und Werner Mahler, die über ihr fotografisches Werk sprachen, sowie der Historiker Reinhard Müller.

Die Veranstaltungen der Woche:

  • Montag, 17. November: Jenny Erpenbeck: „Verworfene Anfänge“
  • Dienstag, 18. November: Ute und Werner Mahler: „Ein Dorf“
  • Mittwoch, 19. November: Jenny Erpenbeck im Gespräch mit Reinhard Müller: „Reden über Schweigen“
  • Donnerstag, 20. November: Peter Wawerzinek: „Vom Gebrauch der Worte im Wechsel der Zeiten“

Wer nicht live dabei sein konnte, hat weiterhin die Möglichkeit, die Veranstaltungen online zu erleben: Alle Vorträge sind in der YouTube-Playlist der Poetik-Dozentur verfügbar.

Wir freuen uns, dass anspruchsvolle Literatur und Kunst so viele Menschen begeistern – und blicken gespannt auf die kommenden Ausgaben dieser besonderen Reihe.

Weitere Informationen zur Tübinger Poetik-Dozentur

Die Gäste der 38. Tübinger Poetik-Dozentur:

Jenny Erpenbeck © Katharina Behling

© Katharina Behling

Jenny Erpenbeck

Jenny Erpenbeck, 1967 in Ost-Berlin geboren, studierte, nach einer Ausbildung zur Buchbinderin, Theaterwissenschaften in Berlin. Sie lebt in Berlin und arbeitet als freie Schriftstellerin und Theaterregisseurin. Ihren ersten großen internationalen Erfolg feierte sie mit dem Roman Kairos, der mit dem International Booker Prize ausgezeichnet wurde. Ihre Werke sind in über 30 Sprachen übersetzt worden.

Publikationen (u. a.): Geschichte vom alten Kind (1999); Heimsuchung (2008); Dinge, die verschwinden (2009); Gehen, ging, gegangen (2015); Kein Roman. Texte und Reden 1992 bis 2018 (2018); Kairos (2021).

Peter Wawerzinek © Susanne Schleyer/autorenarchiv.de

© Susanne Schleyer/autorenarchiv.de

Peter Wawerzinek

Peter Wawerzinek, 1954 in Rostock geboren, ist freier Schriftsteller, Regisseur und Hörspielautor. Heute lebt er in Magdeburg. Sein bisher bedeutendster Erfolg ist der Roman Rabenliebe, für den er mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde.

Publikationen (u. a.): Das Kind, das ich war (1990); Sperrzone reines Deutschland (2001); Rabenliebe (2010); Parodien. Wawerzineks Raubzüge durch die deutsche Literatur (2011); Schluckspecht (2014); Liebestöpel (2019), Rom sehen und nicht sterben (2025).

Ute und Werner Mahler © Katja Strempel

© Katja Strempel

Ute und Werner Mahler

Ute und Werner Mahler studierten Fotografie und gründeten 1990 die Agentur OSTKREUZ mit. Ihre Werke, die sich mit dem Alltagsleben in der DDR auseinandersetzten, wurden weltweit in zahlreichen Ausstellungen präsentiert und u. a. mit der Goldmedaille des Deutschen Fotobuchpreises 2024 ausgezeichnet. Seit 2008 thematisieren sie in gemeinsamen Langzeitprojekten aktuelle politische, gesellschaftliche und persönliche Zustände.

Gemeinsame Arbeiten (u. a.): Monalisen der Vorstädte (2008–2011), Kleinstadt (2015–2018), Ein Dorf (1950–2022), An den Strömen (2019–heute).

Reinhard Müller © Anne Mutter

© Anne Mutter

Reinhard Müller

Reinhard Müller, geboren 1944, studierte Germanistik, Geschichte und Soziologie in München, Regensburg und Hamburg. Von 1978 bis 1989 war er Mitarbeiter der Gedenkstätte Ernst Thälmann in Hamburg. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung recherchierte er seit 1990 in Moskauer Archiven zur Geschichte des Exils in der Sowjetunion.

Publikationen (u.a.): Die Säuberung (1991), Menschenfalle Moskau (2002), Herbert Wehner (2004), Bertolt Brecht und die Moskauer Prozesse. „Ist also schweigen das beste?“ (2019) , (Hg. m. Anne Hartmann): Tribunale als Trauma (2022)

Ute und Werner Mahler, Jenny Erpenbeck und Reinhard Müller als Gäste bei der 38. Tübinger Poetik-Dozentur.

Fotografie, Literatur und Geschichte vereint: Ute und Werner Mahler, Jenny Erpenbeck und Reinhard Müller bei der 38. Tübinger Poetik-Dozentur. © Universität Tübingen

Daniel Kehlmann, Nora Bossong und David Schalko waren 2024 Gäste der 37. Tübinger Poetik-Dozentur

Wir blicken auf eine spannende und bereichernde Woche zurück: Vom 11. bis 15. November konnten wir Daniel Kehlmann, Nora Bossong und David Schalko bei ihren spannenden Vorträgen und Gesprächen erleben.

Ihre Einsichten in die Welt der Literatur haben uns neue Perspektiven eröffnet und viele Anregungen gegeben.

Weitere Informationen zur Tübinger Poetik-Dozentur

Gespräch von Daniel Kehlmann und Prof. Dr. Kimmich während der 37. Tübinger Poetik-Dozentur

Daniel Kehlmann bei der 37. Tübinger Poetik-Dozentur im Gespräch mit Frau Prof. Dr. Dorothee Kimmich, Leiterin der Poetik-Dozentur. © Tübinger Poetik-Dozentur

Einblicke in die 36. Tübinger Poetik-Dozentur - im Gespräch mit Autor Christian Baron

Bei der 36. Tübinger Poetik-Dozentur vom 30.10. bis 03.11.2023 waren Christian Baron und Édouard Louis zu Gast.

Als Auftaktveranstaltung fand im Voraus eine Lesung in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall statt. In diesem Jahr las Christian Baron am Sonntag, 29. Oktober, um 16 Uhr aus seinem aktuellen Roman “Schön ist die Nacht“ und seinem viel beachteten Debüt von 2020 „Ein Mann seiner Klasse“ in der Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall.

Im folgenden Abschnitt erhalten Sie weitere Informationen zu den beiden Autoren der 36. Tübinger Poetik-Dozentur sowie Christian Barons Antworten auf ein kurzes Interview.

Der 31-jährige französische Schriftsteller Édouard Louis gehört trotz seines jugendlichen Alters bereits jetzt zu den bedeutendsten französischen Autoren der Gegenwart, sein literarisches Werk („Das Ende von Eddy“, „Anleitung ein anderer zu werden“) wurde bereits in fast 40 Sprachen übersetzt. Er bestritt die diesjährige Poetikdozentur zusammen mit dem 38-jährigen deutschen Autor Christian Baron („Ein Mann seiner Klasse“) in den Herbstferien in der ehrwürdigen Alten Aula der Universität Tübingen. Unter der fachkundigen Leitung von Dorothee Kimmich, Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, standen in diesem Jahr zwei junge Autoren im Mittelpunkt, die mit ihrem literarischen autofiktionalen Werk ihre Kindheit und den Aufstieg aus prekären und von Alkohol und Gewalt im Elternhaus gekennzeichneten Verhältnissen in Deutschland und Frankreich beschreiben. Ganz im Stil von Annie Ernaux, die im vergangenen Jahr erst den Würth Preis für Europäische Literatur und bald darauf auch den Literaturnobelpreis erhielt, enthält ihr Werk auch politische Botschaften.

Frage an Christian Baron, dem die Dozentur sichtlich Freude bereitet hat: „Wie haben Sie die diesjährige Tübinger Poetik-Dozentur der Stiftung Würth empfunden?“

Christian Baron: „Das war eine Dozentur mit tollen Veranstaltungen, einer großartigen Organisation, einer wärmenden Gastfreundschaft, überraschenden Fragen eines unglaublich zugewandten Publikums und mit Begegnungen, die ich nicht vergessen werde“.

Im Jahr 2023 ermöglichte die Stiftung Würth über ein besonderes Stipendium in Erinnerung an den im Mai verstorbenen bedeutenden bosnischen Autor Dzevad Karahasan zwei Schülern Karahasans und angehenden Literaturwissenschaftlern der Universität Sarajevo die Teilnahme an der diesjährigen Dozentur. Begleitet wurden sie von Prof. Naser Sezerovic. Johannes Schmalzl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Würth, ließ es sich nicht nehmen, die bosnischen Gäste in Künzelsau durch die Ausstellung „Terrific!“ im Museum Würth 2 zu führen.

Herzlichen Glückwunsch zu 100 Jahre Universitätsbund Tübingen!

Die Stiftung Würth gratuliert dem Tübinger Universitätsbund e.V. zum 100-jährigen Jubiläum mit einer Videobotschaft. Auf die Frage, was der Universitätsbund für uns bedeutet, hat unser Vorstandsvorsitzender Johannes Schmalzl, der auch Ausschussmitglied des Universitätsbunds e.V. ist, geantwortet.